Aqara FP2 vs. mmWave Deckensensoren: Bad-Automation im Test
Wer sein Badezimmer automatisieren will, steht meist vor derselben Frage: reicht der Aqara FP2 als Wandsensor, oder lohnt sich gleich ein spezieller mmWave-Deckensensor? Kurz gesagt: Der FP2 punktet mit Flexibilität und sauberer Ökosystem-Integration, während reine Deckensensoren in kleinen, verwinkelten Bädern oft präziser erkennen, ob da wirklich noch jemand unter der Dusche steht. Welche Lösung passt, hängt letztlich von Raumgröße, Montagehöhe und davon ab, wie sehr euch Fehlalarme nerven würden.
Warum Präsenzsensoren im Bad überhaupt sinnvoll sind
Klassische PIR-Bewegungsmelder scheitern im Bad ziemlich zuverlässig. Sitzt man ruhig auf der Toilette oder steht bewegungslos unter der Dusche, registriert die Infrarot-Technik schlicht nichts mehr. Das Licht geht aus, mitten im Shampoo-Einseifen. mmWave-Radar löst genau dieses Problem, weil es selbst minimale Bewegungen wie Atmung erfasst und so echte Anwesenheit von bloßer Bewegung unterscheiden kann.
Typische Automationen, die dadurch erst wirklich praktikabel werden:
- Licht bleibt an, solange jemand duscht, auch ganz ohne Bewegung
- Lüftung schaltet sich verzögert ab, erst nachdem der Raum tatsächlich verlassen wurde
- Spiegelheizung oder Handtuchwärmer reagieren direkt beim Betreten
- Nachtlicht mit gedimmter Helligkeit bei Bewegung zwischen 23 und 6 Uhr
Aqara FP2: Stärken und Grenzen
Der Aqara FP2 ist ein Wand- oder Steckdosen-montierter mmWave-Sensor, der bis zu 30 m² abdecken und mehrere Zonen gleichzeitig unterscheiden kann.
Vorteile:
- Erkennt bis zu 5 Personen gleichzeitig, jeweils mit eigener Zone
- Lässt sich problemlos in Apple Home, Home Assistant und Aqara Home einbinden
- Keine Deckenverkabelung nötig, Strom kommt einfach per USB
- Zonen-Editor erlaubt, Spiegel oder Fenster gezielt auszuschließen, die sonst Radarreflexionen verursachen
Grenzen in kleinen Bädern:
- Die Wandmontage erzeugt oft Totwinkel hinter Duschkabinen oder Trennwänden
- Reflektierende Fliesen und Glasduschen können zu Fehlerkennungen führen
- Das optimale Sichtfeld liegt bei etwa 90°, bei L-förmigen Bädern reicht das oft nicht aus
mmWave-Deckensensoren: Die Alternative von oben
Reine Deckensensoren, etwa LD2410-basierte Module (zum Beispiel Aqaras eigener FP1E oder diverse Drittanbieter-Module für Home Assistant), werden zentral über der Dusche oder dem WC montiert.
Vorteile:
- 360°-Erfassung ohne Totwinkel, ideal für Duschkabinen mit Milchglas
- Weniger Fehlalarme, weil die senkrechte Draufsicht seitliche Reflexionen vermeidet
- Dezentes Design, in der Decke fast unsichtbar
Nachteile:
- Meist Deckeninstallation mit Kabelverlegung nötig, nachträglicher Einbau wird dadurch aufwendig
- Ökosystem-Unterstützung ist dünner gesät, oft nur über Zigbee2MQTT oder ESPHome nutzbar
- Einzelzonen-Logik seltener vorhanden, Multi-Personen-Tracking meist nur eingeschränkt möglich
Direkter Vergleich für kleine Bäder (unter 6 m²)
| Kriterium | Aqara FP2 | mmWave Deckensensor |
|---|---|---|
| Montageaufwand | Gering (Wand/Steckdose) | Hoch (Deckeneinbau) |
| Fehlalarme bei Glas/Fliesen | Mittel | Niedrig |
| Totwinkel bei Trennwänden | Möglich | Kaum vorhanden |
| App-Ökosystem | Sehr gut (Apple/Home Assistant) | Variabel |
| Preis | ca. 55-65 € | ca. 20-40 € (Modul) |
Praxisempfehlung
Für ein kleines, rechteckiges Bad ohne separate Dusche reicht der Aqara FP2 in aller Regel völlig aus. Er ist in wenigen Minuten installiert und lässt sich über den Zonen-Editor feinjustieren, bis Spiegel und Fenster keine Geister-Alarme mehr auslösen. Hat euer Bad dagegen eine Glasdusche, Nischen oder einen L-förmigen Grundriss, lohnt sich der zusätzliche Aufwand für einen Deckensensor, denn er reduziert Fehlalarme durch Spiegelungen spürbar. Wer es ganz genau machen will, kombiniert beide Systeme: FP2 für den Hauptraum, Deckensensor direkt über der Dusche. Diese Mischung liefert in der Praxis die zuverlässigsten Ergebnisse, auch wenn sie etwas mehr Bastelarbeit bedeutet.
Fazit
Eine pauschal “bessere” Lösung gibt es nicht. Der Aqara FP2 überzeugt durch einfache Montage und eine starke Software-Anbindung, mmWave-Deckensensoren liefern dafür in schwierigen Raumgeometrien die präzisere Erkennung. Wer schnell loslegen will, startet mit dem FP2 und rüstet bei Bedarf gezielt mit einem Deckensensor über den kritischen Zonen nach.